Kontakt mit der deutschen Bevölkerung

Auszüge zum Lesen

Bogusław Szumowski

Als wir schon das Stroh weggeräumt und die Wohnung aufgeräumt hatten, alles ausgefegt hatten, tauchte die Eigentümerin auf. Sie kam und schrie laut, das sei ihrs. Vater sagt: „Na, wenn es deins ist, na gut, wir haben uns das doch nicht selbst genommen. Aber jetzt ist es deins und meins.“ Sie widersetzte sich sehr. Vater wollte selbst nichts machen und ist zum Amt gegangen, ein russischer Leutnant hatte das Amt in Krzyż (Kreuz). Und Vater sagt, das ist so und so mit der Deutschen, die widersetzt sich die ganze Zeit. Vater sagt: „Ich halte das nicht aus, ich könnte ihr einen Tritt geben.“ Na und der Russe antwortet: „Keinen Tritt, hau ihr in die Fresse und raus!“ Aber das haben wir nicht gemacht, und dann kam von ganz alleine nach einigen Monaten der Befehl der Russen, dass alle Deutschen raus müssen, in Transporten.

Florian Klijewski

In der Baracke bei der Bahnhofskirche kochten Łuca Żytkowiak und noch eine Dame für uns. Das waren zwei Damen, die uns Suppe kochten, das Mittagessen. Von Frühstück und Abendessen war keine Rede. Wir traten immer mit Schüsseln an, so wie Sklaven bekamen wir zu essen. Und weiter an die Arbeit, dass das acht Stunden waren, da schaute man gar nicht darauf. Man musste alles in Stand setzen. Zudem blieben manche Deutschen in der Zeit hier, sie fuhren nicht sofort weg. Sie blieben, arbeiteten mit uns im Lokschuppen, bei der Reparatur von Lokomotiven. Sie waren nicht als Lokführer angestellt, obwohl einige diese Ausbildung hatten, Lokführer waren, wie man auf Deutsch sagt. Sie arbeiteten, aber in Werkstätten, bei der Reparatur von Dampflokomotiven, nicht Diesel-, sondern Dampflokomotiven. Wir hatten keinerlei Vorbehalte gegen sie, weder sie uns gegenüber, noch wir ihnen gegenüber.

Kazimierz Kiejda

Das Haus ist so, wie es war. In einem Zimmer waren noch Deutsche, sie waren noch bis zum Frühling da und im Frühling hat man sie mitgenommen und weggebracht. Zuerst haben wir im kleinen Zimmer gewohnt, und dann kam mein Bruder auf Urlaub von der Armee, da haben sie die Deutschen von hier weggesiedelt, und die Eltern sind in die große Wohnung gekommen. Das waren nur Vater und Mutter, Kinder waren keine mehr da, zwei ältere, er war wohl schon siebzig Jahre alt, oder sechzig oder so. Die Deutsche war vierundfünfzig, war jünger. Sie hatten eine Tochter und eine Sohn, hat uns der eine hier erzählt, dass sie Tochter und Sohn hatten, die Tochter hat irgendeinen von der Armee geheiratet, und der Sohn ist zur Armee gegangen und umgekommen. Zu uns sind sie nicht mehr gekommen, als sie weggefahren sind, ja, sind nicht mehr gekommen.

Cecylia Machowina

Hier in Krzyż (Kreuz) war eine Oma aus der Familie Machowina, welche bei einem Deutschen gearbeitet hat, das war eine Garküche und Kolonialladen und da hat sie gearbeitet. Und dann hat sie geheiratet, aus der Krotkastraße, in  diesen Wohnblöcken bei den Schienen, er hieß Kiss. Und dann, nach dem Krieg, da hab ich mich um die Oma gekümmert, damit sie nicht alleine stirbt. Ihr Sohn war bei der Armee in Poznan (Posen) und er ist im Krieg 1939 umgekommen, also hatte die Oma niemanden mehr, ihr Sohn war gestorben. Sie wohnte in der Koscielnastrasse. Sie soll von den Machowinas stammen. Als wir hierher kamen, da hat sie davon erfahren und hat uns oft besucht. Ihr Mann war schon sehr alt, er war Maschinist. Er starb, und sie kam zu uns und sagte: Liebe Kinder, Stasiek, komm und begrab meinen Mann. Da haben sie aus Drawsko auf dem Fahrrad mit einem Freund einen Sarg gebracht, weil es bei uns keine gab. Niemand brauchte welche und niemand hatte welche. Von da an hab ich mich um die Oma gekümmert. Sie hatte vor den Russen Angst, denn sie waren fast Deutsche, der Opa Kiss konnte nur „Dzien dobry“ (Guten Tag) sagen. Aber sonst waren das sehr gute alte Leute.

Mirosław Ilnicki

Gegenüber deutschen Sachen, deutschen Gegenständen und sogar deutschen Gebäuden herrschte unter den Menschen eine feindselige Stimmung. Wir haben hier eine Kirche, die 1774 errichtet wurde, das war eine evangelische Kirche. Im Inneren waren ein Altar und zwei Sitzreihen, denn das war eine gemeinsame Kirche für Glashütte (Szklana Huta) und Fissahn (Wizany). 1945 und 1946 trafen hier Leute aus den Gegenden ein, aus denen ich stamme, und zudem aus den Gegenden von Stanisław (Stanislau), Tarnopol, Wolhynien, Weißrussland, Litauen, Kraków (Krakau), Warszawa (Warschau) und Poznań (Posen). So eine Ansammlung von Menschen – und alle waren gegen diese deutschen Einrichtungen. Obwohl es historische Architektur war, hat sie keiner beachtet. Übrigens hatten die Leute davon auch keine Ahnung. Jeder wollte einen Teil seiner Kirche, von woher er stammte, hierhin verlegen. Das, woran er sich erinnerte, wie es dort war, wollte er hier in dieser Kirche einrichten. Jeder wollte etwas von sich einbringen. Alles in allem haben sie diese Kirche so umgearbeitet, dass sie ganz anders aussah als vor dem Krieg.

Mirosław Ilnicki

Als wir ankamen, waren in Szklana Huta (Glashütte) noch acht deutsche Familien, Landwirte, die hier vor dem Krieg gewohnt hatten. Von vielen wurden die Deutschen sehr schlecht behandelt. Es gab Menschen, die haben sie menschlich behandelt, fast als Ebenbürtige. Aber es gab auch solche, die die Deutschen sehr schlecht behandelt haben, sehr feindselig, die Deutschen mussten also ausreisen, es gab keine andere Lösung. Es gab nicht die Möglichkeit, dass sie hier blieben, sie waren einfach in Gefahr. Sie sind 1946 ausgereist, ihren Platz haben sofort Polen eingenommen. Sogar hier in der Nachbarschaft gab es einen Fall, dass ein Pole ein Haus besetzte, den Deutschen hinauswarf, und alles selber übernahm, zusammen mit den Töpfen, die gerade auf dem Herd kochten. Hier wohnte zum Beispiel so ein Deutscher, der Tierarzt war, ein wohlhabender Landwirt. Er hatte sämtliche Gerätschaften, Maschinen. Er war schon ein älterer Herr, über 50 Jahre alt. Die Frau war auch älter, er hatte einen Sohn und die Tochter lebte mit ihnen. Der Landwirt, der auf seinen Hof kam, ging mit ihm sehr unmenschlich um. Er stand morgens auf, zog weiße Handschuhe an, die Peitsche in der Hand, und verteilte die Arbeit, was sie tun sollten. Zum Antreiben bekam jeder einen verpasst. Er kehrte nach Hause zurück und legte sich schlafen, denn oft schaute er in die Flasche, und die Deutschen mussten arbeiten. Bei sich zu Hause so gedemütigt zu werden, das ist sehr bitter.

Stanisław Pełka

Ein Deutscher, der hier in Łokacz (Lukatz) gewohnt hat, ein gewisser Schmidt, der stand mit den Polen eigentlich sogar ganz gut. Er konnte schon ein wenig Polnisch. Als wir Getreide geerntet haben – weil auf dieser Seite das Getreide gesät war, jetzt wächst hier Wald, aber früher war hier Getreide bis zur Straße, die bis nach Przesieki (Wiesenthal) führt – da hat er mir gezeigt, wie man mit der Mähmaschine arbeitet. Weil ich das nicht konnte, ich hatte so etwas vorher noch nicht gesehen. Er hat‘s mir gezeigt, und er selbst konnte nicht ran, weil er krank war, er hat gezeigt, wie man‘s macht. Ich habe das schnell begriffen, als er mir das gezeigt hat, habe ich damit angefangen, und er sagte: „Gut, gut, Polnisch, gut!“ Also, gut. Ich blieb und wo dann gemäht wurde, wurde ich zur Arbeit genommen, unsere haben mich später genommen, weil sie wussten, dass ich es schon kann.

Delfina Surdel

Als wir in Drawski Młyn waren, da erinnere ich mich als Kind, wie die Deutschen geflüchtet sind, womit sie nur konnten, mit Fuhrwerken, zu Fuß und mit Pferden. Sie sind da lang geflüchtet. Aber hier erinnere ich mich nicht mehr. Als wir nach Krzyż (Kreuz) kamen, da waren die Deutschen nicht mehr da. Wir kamen im Frühling. Sie hatten vor den Russen Angst, das war alles. Wir haben genau an der Straße gewohnt, genau wie hier. Wir sind rausgegangen oder haben durchs Fenster geschaut oder durchs Tor, wie man so sagt, denn da war ein Tor. Sind sind wahnsinnig geflüchtet. Hatten Angst.

Walentyna Suryn

Wir hatten dort eine sehr interessante Begegnung mit deutschen Bauern, die dort noch wohnten. Mein erster Eindruck war sehr traurig, weil die Deutschen, uns verständlicherweise mit Widerwillen begegneten, geradezu wie Usurpatoren, Eindringlinge auf diesen Gebieten. Aber wir verstanden ihre Situation, da wir im Osten etwas Ähnliches erlebt hatten, nach uns kamen auch bereits Menschen aus dem Osten, aus der Gegend um Minsk und von weiter entfernten weißrussischen, sowjetischen, russischen Ortschaften. Bis heute erinnere ich mich an das traurige, aber gewissermaßen schon versöhnliche Treffen mit dem deutschen Landwirt, dem Bauern. Er kam auf uns zu und schlug uns selbst vor, seinen Hof zu übernehmen. Ich erinnere mich, das war Bauer Ikert, ich erinnere mich an seinen Nachnamen. Er war ein durchaus sympathischer, älterer Herr. Zusammen mit meinem Mann sind wir herumgegangen, genau zeigte er uns seine Ländereien, seine Nutzflächen und Wiesen. Denn die an der Netze gelegenen Felder, die Bauernhöfe, lebten eher von der Viehzucht, es gab hier üppige, herrliche Wiesen. Er führte uns also genau herum, zeigte uns die Grenzen. Alles im Feld war noch alles war noch ausgesät. Es war traurig. Ich weiß, dass ihn das sehr mitnahm, er machte gute Miene zum bösen Spiel, aber ihm war schwer zumute, das ist verständlich. Danach sind wir in sein Häuschen hinein, dort saßen die Frauen. Und Frauen reagieren auf alles eher emotional, es nimmt sie sehr mit, sie wollten einfach nicht mit uns reden. Vielleicht war unser Deutsch tatsächlich nicht so verständlich, fließend. Ich habe fünf Jahre lang Deutsch gelernt, ich konnte mich verständigen und machte den Anfang. Dort saßen so eine Großmutter und eine jüngere Frau, deren Mann an der Front war, sie wartete auf seine Rückkehr. Tja, und irgendwie verständigte ich mich mit den deutschen Frauen. Sie ließen sich irgendwie besänftigen, fingen an, zu zeigen, wo sie die vorbereiteten Vorräte an Sommerfrüchten hatten. Sie haben mir sogar was angeboten, erzählten, wie sie dies zubereitet hatten und ich ich zeigte, dass ich an allem interessiert sei… Ich erinnere mich, dass der Deutsche uns erklärte, warum er zu uns gekommen war und uns den Bauernhof angeboten hatte: weil er wissen und sich merken wollte, wer den Bauernhof bekommt. Er hat sich sogar unsere Namen und Vornamen notiert. Und er sagte, dass es ihm angenehm sei, denn „Sie sind Lehrer, also gehe ich davon aus, dass Sie ehrlich arbeiten werden, und ehrlich den gesamten Besitz, den wir zurücklassen, nicht zerstören.“

Walentyna Suryn

Ein halbes Jahr nach unserer Ankunft wurden die Deutschen nach Westen umgesiedelt, nach Deutschland. Das waren sehr traurige Momente, weil sich die sowjetischen Soldaten nicht immer moralisch korrekt verhielten. Es gab Plünderungen, Vergewaltigungen. Ich erinnere mich, es gab da so ein Mädchen, eine Tochter, die sich so sehr fürchtete, allein zu ihrer Freundin, die noch in einem der Häuser wohnte, hinauszugehen, dass sie mich immer bat, sie zu begleiten. Es gab noch ein sehr unangenehmes Ereignis: gerade verließen der Opa mit der Oma und der jungen Soldatenwitwe, mit drei Kindern, unseren Bauernhof, den wir übernommen hatten. Ich kann mich nicht erinnern, wie sie zum Bahnhof in Krzyż (Kreuz) gelangten. Und nach einem Tag kamen sie weinend zurück, sie sagen, dass sie „die sowjetischen Soldaten geplündert haben“, sie hätten weder Schuhe noch sonst was, und „auf dem Dachboden“, sagt er, „haben wir noch was“. So wie sich überall auf den Dachböden noch immer etwas fand. Also fragen sie uns schon, ob sie auf den Speicher gehen dürfen. Ich sage: „Es ist alles noch Euers. Geht hinauf und nehmt, was ihr braucht.“ Sie nahmen also die alten Schuhe, zogen sie an, fanden noch irgendwelche alten Jacken. Soweit es ging, zogen sie sich an. Und dann gingen sie tatsächlich zum Bahnhof, ich weiß nicht, ob es mit einem Wagen oder zu Fuß war. Und alle fuhren nach Deutschland. Später meldeten sie sich noch, weil sie sehr daran interessiert waren, wie es ihren Bauernhof geht.

Władysława Sozańska

Als wir in Wizany (Fissahn) ankamen, waren die Häuser leer. Nur in einem lebten einige alte deutsche Frauen. Mich haben sie oft zu ihnen geschickt, um zu sagen, dass sie uns kommen sollen, um uns bei etwas zu helfen. Aber das war schon im zweiten Jahr, weil im Jahr unserer Ankunft nichts da war, alles war überwuchert, die Kartoffeln waren nicht gejätet. Da kamen die Deutschen, um uns zu helfen. Das waren tolle Frauen, und wenn wir etwas gekocht haben, haben wir ihnen etwas gegeben. Sie hatten nichts mehr. Ich glaube, dass sie hier zwei Jahre lang waren, weil ich schon im zweiten Jahr zu ihnen gegangen bin, um sie um Hilfe zu bitten.

Wiktoria Wysopal

So ungefähr ein Jahr waren diese Deutschen bei uns. Aber sehr gute Menschen, sehr gute. Als sie ausreisten, kam der Sohn, und sie reisten aus, da haben sie sich verabschiedet, sie weinten mit uns, denn sie hatten sich so an uns gewöhnt. Wir haben diesen Deutschen geholfen, ob im Garten oder woanders. Die Männer gruben den Garten um, die Deutsche säte und dachte, dass sie das ernten wird, aber später nahmen sie sie mit, da blieb es für uns. Wir lebten gut mit ihnen. Sie waren Katholiken, sie lebten mit uns sehr vorsichtig. Sie weinten so, als sie abfuhren, so haben sie sich verabschiedet, sie sagten, dass sie dachten, dass die Polen sehr schlecht seien, dabei hätten wir sie so gut behandelt. Wir haben ihnen geholfen, den Älteren. Ob im Garten, da jäteten sie, da gruben sie um. Aber sie waren nicht lange, sie säten, denn es war Frühling, aber später ernten – das haben wir schon geerntet, denn sie holten sie auf den Transport, brachten sie nach Deutschland. Und später schrieben sie aus Deutschland noch Briefe. Es gibt sie wohl schon lange nicht mehr, diese Älteren. Und die Jüngeren – die haben sich auch schon von uns entwöhnt.

Wiktoria Wysopal

Die Jugend ist geflüchtet, denn die jungen Männer, die deutschen, waren in der Hitlerjugend, in der Gestapo, noch irgendwo in was anderem – sie flüchteten aus Angst, dass die Polen sie hier einsperren. Es war sogar so, dass die Deutschen Angst hatten, sie kamen hierher und flehten, dass sie nicht schlecht sein werden, dass sie helfen werden, wir sollen sie bloß nicht auszuliefern, dass die Regierung sie nicht mitnimmt und nach Russland verschleppt. Sie müssen diese Deutschen, die hier waren, nach Russland verschleppten haben. Und sie wollten da nicht hinfahren, sie wollten hier sein.

Ewelina Kostka

Als Vater aus dem Krieg zurückkam, da suchte er weiter nach einer Landwirtschaft, wir zogen nach Lubcz (Groß Lubs) um. Dort waren noch Deutsche, Willy hieß dieser Sohn, und seine Mutter war da. Er war ein bisschen behindert, deswegen haben sie ihn nicht für den Krieg genommen. Und sie war schon Witwe. Sie wohnte noch den ganzen Winter da, erst im Frühling haben sie sie geholt und weggebracht. Sie wohnten alleine, ein Gebäude, aber sie am einen Ende, wir am anderen. Die Wohnung war so groß, denn zu deutscher Zeit war da einst ein Restaurant, das war ein sehr großes Gebäude, ein riesiger Saal war dort. Es gab unsere Wohnung und sie wohnte am anderen Ende. Da habe ich von ihr Deutsch gelernt. Wir haben diesen Deutschen, der mit uns wohnt, Willy, zu Ostern eingeladen – oder zu Weihnachten, ich erinnere mich nicht mehr gut… Jedenfalls war so ein Empfang, und Papa ging da zu ihnen und lud sie ein, da kamen sie beide, seine Mutter und er. Ich redete sehr oft mit ihr, mit dieser Deutschen. Denn da waren solche Blumen, die sie gepflanzt hatte. Und ich wusste nicht, dass das Blumen sind, denn nach dem Winter sind keine Blumen mehr da, nur diese Stängel. Da wollte ich sie rausreißen und wegschmeißen, denn ich dachte mir, dass irgendein Unkraut im Garten wächst. Und sie kam und sagt mir, dass das Blumen sind und man sie nicht wegwerfen darf. Ich habe das verstanden und ließ sie, riss sie nicht raus. Sie dachte, dass ich das aus Bosheit mache, ihre Blumen rausreiße und wegwerfe, aber ich wusste nicht, dass das Blumen sind, denn nach dem Winter sind da solche trockenen Stängel. Ich habe mich sehr oft mir ihr unterhalten, mit Willys Mutter. Das war eine höfliche Frau, sehr höflich. Wenn wir ins Haus kamen und uns trafen, da will ich ihr Platz machen, dass sie als erste geht, denn sie ist älter, aber sie will, dass ich zuerst reingehe.

Leonarda Bołądź

Als Vater aus dem Krieg zurückkam, da suchte er weiter nach einer Landwirtschaft, wir zogen nach Lubcz (Groß Lubs) um. Dort waren noch Deutsche, Willy hieß dieser Sohn, und seine Mutter war da. Er war ein bisschen behindert, deswegen haben sie ihn nicht für den Krieg genommen. Und sie war schon Witwe. Sie wohnte noch den ganzen Winter da, erst im Frühling haben sie sie geholt und weggebracht. Sie wohnten alleine, ein Gebäude, aber sie am einen Ende, wir am anderen. Die Wohnung war so groß, denn zu deutscher Zeit war da einst ein Restaurant, das war ein sehr großes Gebäude, ein riesiger Saal war dort. Es gab unsere Wohnung und sie wohnte am anderen Ende. Da habe ich von ihr Deutsch gelernt. Wir haben diesen Deutschen, der mit uns wohnt, Willy, zu Ostern eingeladen – oder zu Weihnachten, ich erinnere mich nicht mehr gut… Jedenfalls war so ein Empfang, und Papa ging da zu ihnen und lud sie ein, da kamen sie beide, seine Mutter und er. Ich redete sehr oft mit ihr, mit dieser Deutschen. Denn da waren solche Blumen, die sie gepflanzt hatte. Und ich wusste nicht, dass das Blumen sind, denn nach dem Winter sind keine Blumen mehr da, nur diese Stängel. Da wollte ich sie rausreißen und wegschmeißen, denn ich dachte mir, dass irgendein Unkraut im Garten wächst. Und sie kam und sagt mir, dass das Blumen sind und man sie nicht wegwerfen darf. Ich habe das verstanden und ließ sie, riss sie nicht raus. Sie dachte, dass ich das aus Bosheit mache, ihre Blumen rausreiße und wegwerfe, aber ich wusste nicht, dass das Blumen sind, denn nach dem Winter sind da solche trockenen Stängel. Ich habe mich sehr oft mir ihr unterhalten, mit Willys Mutter. Das war eine höfliche Frau, sehr höflich. Wenn wir ins Haus kamen und uns trafen, da will ich ihr Platz machen, dass sie als erste geht, denn sie ist älter, aber sie will, dass ich zuerst reingehe.

Leokadia Śliwińska

Als wir nach Krzyż (Kreuz) kamen, waren schon keine Deutschen mehr da, alle waren schon weg. Sind abgehauen… Im Haus nebenan war ein Nachbar, solch nette Leute – eigentlich Deutsche, aber sie konnten polnisch. Ich habe hier einen Dachboden, sie hatten nichts, wo man Wäsche aufhängen konnte, da hab ich ihnen immer den Dachboden überlassen, und schon hatten sie einen Platz. Aber dann mussten sie weg. Nach einigen Jahren klopft es bei mir, eine Frau. Und sagt: „Erkennen Sie mich nicht?” Ich sage: „Sie sind Elda, nicht wahr?“ – „Ja, und Sie Kazia?“ Ich habe sie hereingebeten, sie blieb eine Weile. Dann kehrte sie nach Deutschland zurück.  

Michał Klemens

Das war das Wasserelektrizitätswerk Kamienna, an der Drawa (Drage), 23 Kilometer von Krzyż (Kreuz). Mein Bahnhofsvorsteher hieß Bobrowski, er gab uns ein Fahrrad und fünf Jungs, mit einem Rad fuhren wir die 23 Kilometer. Wir fuhren drei Tage, weil mit einem Rad. Wie wir fuhren? Abwechselnd, einer fuhr einen Kilometer, ließ das Fahrrad stehen, und ging. Und wir gingen. So sind wir gefahren, so haben wir gearbeitet. Und wir mussten die ganze Starkstromstrecke von Krzyż zum Elektrizitätswerk abgehen, ob die Verbindung brauchbar ist, damit man die Spannung nach Krzyż anschließen konnte. Wir hatten da einen Schlafplatz und Essen, alles. Fleisch gab’s zum Umfallen, denn wir hatten eine Waffe, damit schlachtete man, Fische in Hülle und Fülle, man aß soviel man wollte. Und Brot – mein lieber Gott! – selbst ein Krümel wurde nicht weggeschmissen! Und das ging so: „Herr Klemens, Sie sind am jüngsten, Sie nehmen das Rad und einen Rucksack, und sie fahren nach Krzyż Brot holen.“ 23 Kilometer. 20 Brotlaibe bekam ich in den Rucksack und fuhr durch den Wald, das war ein Waldweg. Es war insofern gut, dass die Deutschen im Wald solche Wege hatten, wo keiner reinfuhr. Ich raste mit dem Rad so schnell es ging, nur die Blätter flogen hinter mir hoch. Aber man musste für das Brot 23 Kilometer fahren. Am Anfang hatten wir eine Deutsche und die Deutsche kochte für uns, denn wir waren mehrere. Die Deutsche hat gekocht, die Eisenbahnpolizei passte auf uns auf. Aber im Wald waren Deutsche! Deutsches Militär! Die Russen, die Front, zog weiter, aber sie blieben. Nur diese Deutsche verschwand am Abend, sie ging ihnen sagen, was hier passiert. Und später, nach einiger Zeit, kamen auch diese Deutschen aus dem Wald raus. Aber weder haben sie uns angegriffen, noch haben wir sie angegriffen. Wir interessierten uns nicht für einander.

Maria Łuszczewska

Hier war nur eine alte Deutsche, nicht alt, sie war eine ältere Jungfer, und zwei Kinder ihrer Schwester. Das eine war zehn Jahre alt, und das zweite war wohl auch zehn Jahre alt, denn ich habe sie sogar auf einem Bild, sie kamen noch hierher gereist, hatten Freude. Das war so ein Haus, hier zwei Zimmer, da zwei Zimmer, in der Mitte solche eine Diele und die Küche. Da haben wir auf der einen Seite gewohnt, sie auf der anderen Seite. Später gingen sie rüber, zogen um, hinter diese Gebäude gleich das dritte Haus, dort wohnten sie. Da waren mehre von ihnen zusammen, von diesen Deutschen, und dort wohnten sie. Einen Sommer haben wir wohl so zusammengewohnt, zum Herbst gingen sie schon. Diese Deutsche kam noch herbeigelaufen, fragt, wie mein Mann mit Vornamen heißt, ich verstehe kein Deutsch, aber ich sag, dass Ryszard. „Ach, Richard, Richard!“ Sie lief gleich wieder weg, gab mir noch irgendeine Creme, zum einkremen, ich sage nichts Schlechtes über sie. Aber sie hat alles verkauft. Als wir hier ankamen, da gab es nur eine Ziege. Denn sie hatten eine Ziege für sich. Schließlich habe ich das irgendwie nicht bemerkt, und die Ziege ist weg. Da hatte sie die Ziege verkauft! Später war da so ein Karren, als sie Milch transportierten, auf vier Rädern, so, dass zwei solcher Kannen darin Platz hatten. Ich sage: „Fahr!“ Da fuhr sie, kommt ohne Karren zurück. „Und wo ist der Karren?“ Sie fing an sich zu rechtfertigen, dass irgendwo jemand ihn an sich gerissen hat, jemand habe ihr den Wagen weggenommen. Aber sie hat ihn verkauft. Na das war ihrer, da werden wir uns nicht mit ihr streiten.

Tadeusz Brzeziński

In dem Kobyle Pole begann eine Diskussion, denn eigentlich fuhren wir nach Poznań (Posen). Aber die Frauen hatten schon genug vom Reisen, die Frauen, die Männer hätten eigentlich noch was suchen wollen. Na und ich weiß nicht, ob sie uns noch ein Stück näher nach Poznań brachten, jedenfalls hielten sie uns irgendwo bei Poznań an. Und wir gingen in die Stadt, das heißt Vater ging, ich, und noch eine Gruppe anderer, denn in dem Transport waren einige Waggons. Und es hat sich gerade so ergeben, dass wir auf den Alten Markt gingen, der vollkommen zerstört war, die ganze Altstadt. Als wir diese Ruinen sahen, dann gleich: „Schluss, hier bleiben wir nicht, wir fahren weiter.“ Na und wir fahren weiter gen Westen. Und wir kamen hierher, nach Krzyż (Kreuz). Unsere Waggons hatten bei der Bahnabfertigung gehalten, die Männer zogen wieder zum Auskundschaften los. Sie kamen zurück – denn mit uns fuhr natürlich mein Schwager, denn meine Schwester hatte schon in Kołomyja geheiratet. Die Männer sagten: „Wir fahren nach Bydgoszcz“ (Bromberg)! Doch die Frauen streikten, dass wir nirgendwo mehr hinfahren, Schluss, Ende, genug mit der Reiserei. Dann ging Vater hier in Krzyż in die Stadt, ich ging raus auf die Straße. Heute ist das die Staszic-Straße, wie sie damals hieß – weiß ich nicht, ich weiß, dass eine Deutsche im Fenster stand, als sie mich sah, da rief sie: „Polnische Schweinerei!” So hat sie mich hier begrüßt – denn ein Teil der Deutschen war noch hier. Ich wundere mich nicht über sie, denn sie fingen schon an, sie zu vertreiben – es ist bekannt, wie das war – na aber das war so ein unangenehmes Ereignis. „Das erste Mal in Krzyż“, denk ich mir, „nett haben sie mich hier begrüßt.“ Vater war sehr raffiniert, nach rund zwei, drei Stunden führte er zwei Pferde mit einer großen Plattform auf Gummirädern herbei. Natürlich hatte er das gekauft, denn was ist damals so in Krzyż passiert! Aus dem Westen kehrten Polen zurück, kamen nach Krzyż zum Beispiel mit einem Pferdewagen, mit irgendwelchen Wägen, da haben sie die hier gelassen, verkauften sie, stiegen in den Zug und fuhren ins Innere Polens. Und es gab also Tauschhandel. Ich weiß, dass Vater für diese Pferde Getreide gab – wir hatten wohl ein bisschen Getreide im Waggon, so zwei Säcke… Ich weiß, dass wir einen großen Sack Walnüsse hatten. Damit haben sie dort irgendwo gehandelt… Und darüber hinaus – das ist wahr – dass wir ein bisschen „illegales“ Geld in Form von Dollar hatten. Für Dollar drohte sogar die Todesstrafe, für das Besitzen von Dollar oder Gold. Na, jedenfalls organisierte Vater diesen Wagen mit Pferden und dann gingen wir in die Stadt eine Wohnung suchen.

Tadeusz Brzeziński

Na wie sah es damals in Krzyż (Kreuz) aus? Die Hälfte des Stadtzentrums, da, wo jetzt der Plac Zwycięstwa (Siegesplatz) ist – das war natürlich ausgebrannt, die Gebäude waren zerstört, es gab nichts, Ruinen. Die Wojsko-Polskie-Straße dagegen, die hieß damals Wilhelmstraße. In dieser Wilhelmstraße standen Häuser, aber an jedem Haus war eine Aufschrift „Besetzt von PUR”. PUR – das war das staatliche Repatriierungsamt. Natürlich, in Wirklichkeit war nichts besetzt. Das war nur angeschrieben, denn jeder musste zu so einem Beamten des PUR gehen, und er wartete dann nur, wer was gibt, wenn er gibt, dann konnte man eventuell eine Wohnung aussuchen. Meinen Vater und meinen Schwager interessierte eine Wohnung, wo eine Metzgerei wäre, eine Fleischerei. Und sie fanden so ein Haus, hier in der Wojsko-Polskie-Straße, gegenüber vom Haus des Anglerverbandes. Gerade dort war eine Fleischerei, „Fleischerei“ war angeschrieben, da war eine Metzgerei. Das Gebäude war nicht interessant, die Wohnung war auch nicht interessant, aber ihnen ging es um den Arbeitsplatz, nicht um Bequemlichkeit! Übrigens, in dieser Zeit gab’s keine bequemen Wohnungen, im Sinne Bad, Komfort usw. Die Toiletten waren meist draußen. Na und man entschied, dass wir genau dort einziehen, in der Wojsko-Polskie-Straße, wohl 87. Na und da ging’s los… Vor allem musste man aufräumen. Oben wohnte die ganze Zeit noch die Eigentümerin, die Deutsche wohnte dort. Sie war sehr verschreckt. Ihren Mann hatten die Russen erschossen – er war auf dem Hof bestattet. Na, da war sie sehr verschreckt, sie stimmte allem zu – übrigens hatte sie nicht viel zu sagen, denn bald fing die Deportation der Deutschen an, alle haben sie auch weggebracht. Sie mussten schnell packen und die Stadt Krzyż verlassen. In Krzyż natürlich, wie das überall gleich nach dem Krieg war, grassierten verschiedene Räuberbanden (szabrownicy). So nannte man damals die, die deutschen Besitz wegnahmen und wegbrachten, hier aus Krzyż wegbrachten.

Tadeusz Brzeziński

Die Deutschen waren verschreckt – sie hatten Angst. Da war wenig Hochmut. Nur diese eine Deutsche, die da auf der Staszic-Straße zu mir schrie, aber da war sie wohl in Erregung. Sie hörte, dass ich Polnisch spreche, da hat sie so geschrien. Aber später hatten die Deutschen Angst. Aber ich habe nicht gehört, dass es Vorfälle gab, dass jemand da Deutsche verprügelt hat oder sonstwas in dem Sinne, nein, das war nicht. Diese Deutsche wohnte mit uns noch rund zwei Wochen. Ich weiß, dass Mama ihr zu essen gab und ihr half, denn sie hatte so eine kleine Tochter, und es war Armut, sie hatten nichts, wovon sie leben konnten. Geld, deutsche Mark, hatten keinen Wert. Die Polen haben sich im Kontakt mit ihnen korrekt verhalten. In vielen Häusern wurde geholfen und es gab keinerlei Vorfälle, dass jemand da einen Deutschen verprügelt hat oder umgekehrt.

Zofia Zurman

1945 blieben hier nur noch einige Deutsche. Und es war nicht gut, denn sie haben sie hier schlecht behandelt. Hier war so Krieger, Arzt bei der Bahn, Krieger. Er war ein sehr guter Arzt für die Polen. Wenn ein Pole kam und sagte: „Herr Doktor, ich brauche drei Tage frei“, dann hat er ihn krankgeschrieben. Er hatte kein separates Wartezimmer. Denn es gab auch so einen Schumann, bei der Bahnkirche, der hatte ein Wartezimmer „für Polen“ und eines „für Deutsche“. Aber der nicht. Und er wusste, dass die Polen ihm nichts tun. Sie kamen hierher gefahren und blieben. Die Russen haben seine Frau vergewaltigt, sein Zimmermädchen haben sie vergewaltigt. Und dieser Arzt nahm alle, und sie haben sich vergiftet. Sie nahmen Gift und sie lagen alle, denn er konnte das nicht mit ansehen.