Karolina Koźlarek
Geb. am 23.September im Dorf Łozowa bei Tarnopol. Ihre Eltern besassen einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb, ihr Vater arbeitete vor dem Krieg auch in Brasilien. Karolina Koźlarek schloss die Gesamtschule mit vier Klassen in Łozowa ab. Bis Ende des Jahres 1944 lebte sie zusammen mit ihrer Familie in Łozowa. Nach dem Überfall der Ukrainer auf das Dorf an Silvester 1944 floh ihre Familie nach Tarnopol, wo sie bis zum April 1945 blieben. Im Mai 1945 kam Karolina Koźlarek zusammen mit ihren Eltern und ihrem Bruder nach Krzyż (Kreuz) und liess sie sich auf einem Betrieb in Łokacz Wielki (Drage-Lukatz) nieder. Ihr ganzes Leben lang arbeitete sie in der Landwirtschaft. Derzeit wohnt sie mit ihrer Familie in Łokacz.

Auszüge zum Lesen

Gründe für die Ausreise in die „Wiedergewonnenen Gebiet” und der Weg nach Krzyż

Die Ukrainer töteten uns und wir mussten hierher flüchten, nach Polen, das unsere zurücklassen… Das ganze Dorf ist geflüchtet, und nicht nur unser Dorf! Eine Unmenge der Dörfer war polnisch, und überall töteten sie Polen, eine Unmenge von Dörfern! Überall ermordeten sie Polen. Sie sagten: „Wir ermorden die Polen, dann wird die Ukraine uns gehören!“

Gründe für die Ausreise in die „Wiedergewonnenen Gebiet” und der Weg nach Krzyż

Wir wohnten wohl zwei Monate lang in Tarnopol, ehe sie diese Waggons bereitstellten. Auf welchem Weg wir hierher gekommen sind – ich weiß jetzt nicht mehr, wie wir gefahren sind, über Warschau? Aber wohl über Warschau, nicht über Krakau. Wir kamen auf die polnische Seite, als sie uns an die Seite stellten, war keine Dampflokomotive da, da standen wir wohl länger als eine Woche. Und später, als sie losfuhren und wir fuhren, da war wohl in Warschau der 1. Mai, sie veranstalten einen Maiumzug und wir sahen das aus dem Zug. Wir lebten von dem, was wir von zu Hause mitgenommen hatten. Mutter hatte noch Brötchen im Ofen gebacken – denn in dem Haus gab es keinen Backofen, um da ein bisschen zu backen, man musste den großen Brotofen anheizen. Na und Mutter hat solche Brötchen gebacken, das waren so schöne kleine Brötchen, so ein kleines Säckchen, für den Weg. Und in Tarnopol ließen wir das in so einem Speicher, denn da trocknen sie nicht aus, sie hängten sie auf, und sie haben sie uns geklaut! Denn in der anderen Wohnung wohnten so Leute, die 16 Kinder hatten, da haben wohl die Kinder die Brötchen geklaut. Und später gab’s dieses Brot, das man kaufte, zu Essen und wir aßen diese gebackenen Brötchen nicht mehr. Wir aßen, was wir hatten – Brot, und Marmelade aus Pflaumen schmierten wir, denn wir hatten Pflaumen, da haben wir diese Marmelade aufs Brot geschmiert. Und es gab kein Geld, um da was zu kaufen. Es gab nichts, und Schluss! Wenn sie ein paar Pfennig hatten, behielten sie es für was anderes, für schlimmere Zeiten. Und so sind wir gefahren.

Niederlassen und Heimisch werden

Anpassung an das Leben am neuen Ort

Bei der Schule, da, wo jetzt das Gymnasium ist, da haben wir noch drei Wochen gesessen, ehe sich eine Wohnung fand. Und was für eine Wohnung? In der anderen Hälfte wohnte schon Herr Świeca, aus Polen, und diese Hälfte war leer. Aber es gab nichts, wo man sich niederlassen konnte, es gab schlimmere Häuser, so eingestürzte. Und wir saßen hier. Auch das war auch nicht gut, denn wir waren zu zweit. Wir fanden nichts Gutes. Und Vater sagt: „Wenigstens ein Dach über dem Kopf!“ Denn vielleicht fahren wir gleich wieder nach Hause. Und so ist er gestorben, er ist nicht nach Hause gefahren. Wir dachten, dass das nur vorübergehend ist, um sich hier ein bisschen zu verstecken, denn wir fahren ohnehin nach Hause. Ot, sie fuhren nach Hause… Wie fahren wir nach Hause? Dann hätten sie uns gänzlich umgebracht… Da haben die Russen schon gebaut, und eine russische Regierung in unserem Dorf.

Niederlassen und Heimisch werden

Bei der alten Schule, wo das Gymnasium ist, da waren wir wohl drei Wochen lang. Und da waren verschiedene Leute, nicht nur wir, andere Transporte kamen an, auch fremde Leute waren da bei der Schule. Denn es gab nichts, wo man hin konnte, es gab keine Wohnungen. Später schauten sie sich nach und nach um und mein Vater ging los, der Schulze sagt: „Da ist’s leer, da wohnt Świeca, hier könnt ihr einziehen.“ Als wir hier einzogen – Fenster eingeschlagen, und solche Kreise über den Fenster rausgeschlagen, denn hier hatten sie kranke Pferde gehalten. Die Zimmer voll mit Mist, über den Fenstern überall Löcher, denn da waren solche Tröge. Mein Gott, wie hart wir gearbeitet haben, was für ein Dreck hier war! Wir arbeiteten, putzten, wuschen, und Dreck! Und die Türen alle mit Mist beschmiert. Mein Gott! Zerbrochen, in jedem Zimmer war ein Futtertrog, und Löcher über den Fenstern, und Luftzüge über den Fenstern rausgeschlagen. So eine Wohnung haben wir bekommen!

Anpassung an das Leben am neuen Ort

Vater zog aus nach Brasilien, Geld verdienen, denn der Hof brachte nicht viel. Er zog dahin, baute eine Wohnung, denn wir wohnten in einer alten und er baute ein neues Haus… Wohl zwei Jahre haben wir da gewohnt… Manchmal möchte ich dieses Haus sehen, ich bin schon alt geworden, aber so sehr möchte ich das sehen! So sehnt sich ein Mensch! Obwohl es da nicht besser war, aber da ist gutes Land, wenn es regnete, war dort überall Matsch, denn das ist gutes Land und hier gibt’s so was nicht. Aber man will hinfahren, man möchte. Aber es gab keine Gelegenheit, früher war ich jung, da gab es niemanden, mit dem man hätte fahren können, aber jetzt bin ich mal zu alt. Und unsere Leute aus dem Dorf sind in Oberschlesien, in Chorzów. Zwei Busse fuhren in unser Dorf. Wenn das von hier gewesen wäre, dann wäre ich gefahren. Das war wohl schon vor drei Jahren, dass sie hingefahren sind. Aber was, es fuhren so junge, die nichts wussten, die alten fuhren und sie fanden auch nicht hin, nichts – alles hat sich da irgendwie verändert. Aber ich denke, wenn ich gefahren wäre, würde ich sofort hinfinden. Denn der Fluss ist da, darüber eine Brücke, und hinter dem Fluss, so nach oben, hatten wir einen Obstgarten und oben die Wohnung.